Wasserdurchlässiges Pflaster: Vorschriften und Vorteile
Starkregenereignisse und überlastete Kanalisationen rücken versickerungsfähiges Pflaster zunehmend in den Fokus — sowohl bei Bauherren als auch bei Kommunen. Was steckt dahinter?
Was ist versickerungsfähiges Pflaster?
Anders als klassisches, dicht verfugtes Pflaster lässt wasserdurchlässiges Pflaster (auch Drainpflaster oder Sickerpflaster genannt) Regenwasser durch breitere, mit Splitt verfüllte Fugen oder poröse Steinstrukturen direkt in den Untergrund versickern.
Warum Kommunen versickerungsfähige Beläge fördern
Bei Starkregen werden Kanalisationssysteme in vielen Städten an ihre Kapazitätsgrenze gebracht. Versickerungsfähige Flächen entlasten das Kanalnetz, indem ein Teil des Regenwassers erst gar nicht dort ankommt, sondern lokal im Boden versickert und das Grundwasser anreichert.
Gibt es eine Pflicht zur Versickerung?
Ob und in welchem Umfang versickerungsfähige Beläge vorgeschrieben sind, regelt die jeweilige kommunale Entwässerungssatzung — das ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Häufig betrifft das vor allem neu angelegte, größere Flächen wie Stellplätze oder Gewerbeflächen. Ein Blick in die örtlichen Vorschriften bzw. eine Rückfrage beim zuständigen Bauamt schafft Klarheit.
Finanzielle Vorteile
Viele Kommunen erheben eine gesplittete Abwassergebühr, bei der versiegelte Flächen zusätzlich zur Niederschlagswassergebühr beitragen. Nachweislich versickerungsfähige Flächen werden dabei häufig reduziert veranschlagt — das kann sich über die Jahre finanziell bemerkbar machen.
Welche Materialien eignen sich?
- Pflaster mit breiten, splittverfüllten Fugen
- Poröse Sickersteine mit offenporiger Struktur
- Rasengittersteine, teils begrünt oder mit Kies gefüllt
Wichtig ist neben dem Steinmaterial auch eine wasserdurchlässige Tragschicht darunter — nur so kann das Wasser tatsächlich im Boden versickern statt sich zwischen den Schichten zu stauen.
Wie finde ich die geltenden Vorschriften für mein Grundstück heraus?
Da Regelungen zur Versickerung von Kommune zu Kommune unterschiedlich ausfallen und sich auch ändern können, lässt sich hier keine pauschale Aussage treffen. Verlässliche Auskunft gibt in der Regel das örtliche Bauamt bzw. die Untere Wasserbehörde — häufig lohnt sich auch ein Blick in die kommunale Entwässerungssatzung, die viele Kommunen online veröffentlichen. Bei größeren Vorhaben oder Neubauten ist zudem oft ohnehin ein Entwässerungsantrag bei der Kommune erforderlich, in dessen Rahmen sich klären lässt, ob und in welchem Umfang eine Versickerung vor Ort möglich oder vorgeschrieben ist. Ein ausführender Fachbetrieb kennt die lokalen Anforderungen im eigenen Einzugsgebiet häufig aus der Praxis und kann bei der Einordnung unterstützen — eine verbindliche Auskunft ersetzt das aber nicht.
Grenzen der Versickerungsfähigkeit
Versickerungsfähiges Pflaster ist nicht überall gleichermaßen sinnvoll oder zulässig einsetzbar. Entscheidend sind unter anderem die Durchlässigkeit des vorhandenen Bodens, der Grundwasserstand sowie die Nähe zu Gebäuden, Leitungen oder Grundstücksgrenzen. Bei stark verdichteten oder lehmigen Böden versickert Wasser nur langsam, wodurch sich die gewünschte Entlastungswirkung nur eingeschränkt einstellt. In solchen Fällen kann zusätzlich eine Versickerungsmulde, eine Rigole oder ein anderes Entwässerungskonzept notwendig sein, um die Fläche sinnvoll zu entwässern. Ob der vorhandene Untergrund geeignet ist, lässt sich am zuverlässigsten durch eine fachliche Prüfung vor Ort klären.
Häufige Fragen
Gilt die Versickerungspflicht für jedes Grundstück?
Nein, das ist nicht pauschal zu beantworten. Ob und in welchem Umfang eine Versickerungspflicht besteht, regelt die jeweilige kommunale Satzung und hängt oft auch von Grundstücksgröße, Nutzung und Neubau- bzw. Bestandssituation ab. Verbindliche Auskunft gibt das örtliche Bauamt.
Kann ich nachträglich von befestigtem auf wasserdurchlässiges Pflaster umrüsten?
Grundsätzlich ja, allerdings ist dafür meist eine grundlegende Erneuerung inklusive Unterbau notwendig, damit Wasser tatsächlich bis in den gewachsenen Boden versickern kann — ein reiner Austausch der oberen Steinschicht reicht dafür in der Regel nicht aus.
Ist wasserdurchlässiges Pflaster teurer als klassisches Pflaster?
Die Kosten hängen stark von Material, Aufbau und Untergrund ab, sodass sich keine pauschale Zahl nennen lässt. Ein individuelles Angebot vom Fachbetrieb ist hier der verlässlichste Weg zu einer realistischen Einschätzung.
Wer prüft, ob meine Fläche den örtlichen Vorschriften entspricht?
In der Regel ist das zuständige Bauamt bzw. die Untere Wasserbehörde der richtige Ansprechpartner. Bei größeren Vorhaben ist die Abstimmung häufig ohnehin Teil des Genehmigungsprozesses.
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